Wärmebildkamera im Einsatz für Rehkitzrettung und Bergrettung

Ein Bericht Von Paul Mörwald:


Wer erstmals eine Drohne steuert, wird überrascht sein, wie schnell dieses kleine Gerät in der Luft ist und welche Fotos aus ungewohnter Perspektive möglich sind.

Ist eine Drohne zweckgebunden im Einsatz wie bei der Rehkitzsuche, wird das Spielerische schnell zu einer Herausforderung für das Copterteam. Neben dem Einhalten vorgegebener Regeln (Austrocontrol) ist sicheres und effektives Fliegen gefragt.

Professionelle Rehkitzsuche erfordert eine Drohne mit Infrarot-Wärmebildkamera, ein zügig-sicheres Fliegen in gleichbleibender Höhe über Grund und perfekte Teamarbeit. Gesucht wird am frühen Morgen, um den Temperaturunterschied zwischen Rehkitz und Umgebung zu nutzen, der die Kitze sichtbar macht. Deshalb beginnen die Sucheinsätze meist schon um 04.00/04.30 Uhr. Von seinem Standort am Feldrand befliegt der Fernpilot nach einem festgelegten Raster das Feld, der Beobachter schaut mit Argusaugen auf seinen Monitor und „liest“ das live auf seinen Bildschirm übertragene Wärmebild.

Herausfordernd kann es sein, dieses Bild „richtig“ zu interpretieren, da in einer Wiese auch andere Wärmequellen als Rehkitze sichtbar werden können: Scherhaufen, Steine, ein Kanaldeckel oder ein Ameisenhaufen speichern Wärme vom Vortag und abstrahlen sie ab.

Die Frage: „Ist der helle Punkt ein Rehkitz oder nicht?“ war in der Anfangsphase für die Beobachter oft fordernd, auch weil die „Läufer“, die nach Ortung zum Rehkitz eilen und es bergen/schützen, nicht umsonst ihre Kraft vergeuden sollen.

Die Realität hat uns trotzdem immer wieder getäuscht. Es braucht viele Stunden Sucherfahrung um Wärmebilder „richtig“ lesen/deuten zu können. Die Übung auf den Feldern mit Wärmeflaschen und Sucheinsätze – 2021 haben wir 40 Rehkitze geortet - hat aus uns ein professionell agierendes Team geformt.

Von Anfang an waren auch Bergretter aus Werfen, Pfarrwerfen und Werfenweng im Rehkitzprojekt aktiv. Das bei der Rehkitzsuche erworbene Know how können die Männer nun auch bei Bergrettungseinsätzen nützen, da die Wärmebildsuche nach vermissten Menschen nach demselben Prinzip abläuft. Auch Übersichtsaufnahmen können einen Einsatz wesentlich erleichtern.


Kitzretter/in am Weg zum Kitz, das als kleiner heller Punkt gut sichtbar in der frühmorgendlich-kühlen Wiese liegt.


Der Beobachter hat die Aufgabe, sich nur auf das Bild zu konzentrieren, um ein in der Wiese liegendes Kitz zu entdecken. Nach dem Suchflug mäht der Bauer die Wiese.


bei diesen Temperaturverhältnissen am Vormittag kann mit der Wärmebildkamera nicht mehr gearbeitet werden.

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